Angst vor mündlicher Prüfung – was tun?

Die mündliche Prüfung ist im Studium eine häufige Form der Leistungsabfrage. Jeder muss irgendwann in eine solche Prüfungssituation und nicht wenige Studierende haben damit große Probleme. Schon Tage und Wochen vorher versetzen sie sich in eine enorme innere Anspannung und malen sich auch, was in der mündlichen Prüfung alles schief gehen kann, was die Konsequenzen sind und wie das alles zu verhindern ist. In den Köpfen der Betroffenen laufen ganze Filme ab, die jede mögliche Situation durchspielen und Auswege zeigen sollen. Doch wie bekommt man diese Anspannung unter Kontrolle? Wie kann man die Angst vor der mündlichen Prüfung vermindern?

Um Möglichkeiten zu erörtern, wie die Angst kontrolliert werden kann, müssen zunächst die Auslöser verstanden werden. Eine Prüfungssituation ist eigentlich immer mit Stress verbunden. Das ist auch gut so. Wer total gleichgültig in eine Prüfung geht, der kann das Wissen in den seltensten Fällen effektiv und punktgenau abrufen.

Ein gewisser Grad an Erregung ist wichtig, damit das Gedächtnis optimal funktioniert. Problematisch wird das nur, wenn die Erregung so groß ist, dass sie blockiert und eigentlich vorhandenes Wissen nicht mehr abgerufen werden kann. Die Prüfungssituation in einer mündlichen Prüfung bietet die Voraussetzungen für eine blockierend wirkende innere Anspannung. Man steht im Rampenlicht, die Prüfer schauen einen direkt an und erwarten relativ schnell Antworten.

Doch schon in den Tagen und Stunden vor der Prüfung wird die Basis für die Angst in der Prüfungssituation gelegt. Schon hier kreisen die Gedanken immer nur um die gleichen Themen. Typische negative Gedanken vor der Prüfung sind zum Beispiel diese:

  • Was passiert, wenn ich versage?
  • Was passiert, wenn mir die Lösung nicht einfällt?
  • Was werden die Prüfer von mir denken?
  • Was werden die Mitstudenten von mir denken?
  • Die Prüfung ist meine letzte Chance

Gute Vorbereitung ist die halbe Miete

Oft ist die Angst vor der Prüfung durch mangelnde Vorbereitung begründet. Der berühmte Mut zur Lücke ist nicht zu empfehlen. Hierbei bereitet man sich nur auf bestimmte Gebiete vor und hofft, dass diese auch abgefragt werden.

Schon allein diese Art der Vorbereitung birgt den Keim einer hohen Anspannung und Angst in der Prüfungssituation. Denn was passiert, wenn das falsche Thema abgefragt wird?

Bei entsprechend guter Vorbereitung fallen schonmal die logischen Gründe für Versagensängste weg. Alles was jetzt noch bleibt sind rein psychische Prozesse, die auch im Kopf gelöst werden müssen.

Dank einer guten Vorbereitung können die Voraussetzungen möglichst optimal gestaltet werden. Neben effektivem Lernen gehört dazu auch:

  • Vorab Kontakt mit dem Prüfer herstellen
  • Wenn möglich sollte man vorher mit dem Prüfer persönlich sprechen. Eventuell können so schon mögliche Themen diskutiert werden. Außerdem kann das einen Großteil der Anspannung abbauen. Man kennt sich bereits. Man ist bereits ein wenig vertraut. Das hilft auch, den Prüfer vorab einzuschätzen.

  • Ausruhen und Ausschlafen
  • Man sollte ausgeruht in eine Prüfungssituation gehen. Die Nacht davor sollte nicht zum Lernen verwendet werden. Bestenfalls kann man schon am frühen Abend mit dem Lernen aufhören und die Stunden vorm Schlafen mit angenehmen Freizeitbeschäftigungen verbringen. Wer direkt nach dem Lernen versucht, Schlaf zu finden, der wird Probleme haben. Innere Ablenkung ist hier das A und O.

  • Die richtige Ernährung
  • Auch die Ernährung kann sich positiv oder negativ auf die Verfassung während der Prüfung auswirken. Das Frühstück sollte leicht gehalten bleiben und ausreichend Kohlenhydrate und Ballaststoffe enthalten. Obst ist hier immer gut. Schon allein die Konzentration auf die Zubereitung des Frühstücks wirkt wiederum ablenkend.

Entspannungstechniken und positives Umdeuten

Es gibt viele Möglichkeiten, um vor der Prüfung zu entspannen und die Gedanken zu sammeln. Vom Autogenen Training über Meditation bis hin zu Ausdauersport. Je nachdem, was einem selber am besten liegt, können alle diese Methoden dazu führen, die Spannung deutlich abzubauen.

Eine halbe Stunde Jogging am Morgen vor der Prüfung wirkt für den einen Wunder, bringt für andere vielleicht nix. Das Gleiche gilt für Autogenes Training und Meditation. Wer diese Techniken nicht richtig beherrscht oder nicht an die Wirkung glaubt, der verschwendet damit nur seine Zeit.

Positives Umdeuten ist ebenfalls eine Option. Hierbei versucht man den „schlechten“ Gedanken auf den Grund zu gehen. Oben wurden bereits einige auslösende Gedanken erwähnt. Diese kann man nun innerlich aktiv ins Positive umdeuten. Das sieht dann beispielsweise so aus:

  • Was passiert, wenn ich versage? –> Durch eine Prüfung fallen ist nicht schlimm.
  • Was passiert, wenn mir die Lösung nicht einfällt? –> Wenn mir mal was nicht einfällt, dann bitte ich den Prüfer darum, die Frage zurückzustellen.
  • Was werden die Prüfer von mir denken? –> Die Prüfer sehe ich danach nie wieder.
  • Was werden die Mitstudenten von mir denken? –> Die sind auch schonmal durch eine Prüfung gefallen.
  • Die Prüfung ist meine letzte Chance –> Es gibt immer eine zweite Chance.

Wer aus eigener Kraft nicht mehr weiter weiss und mit der Prüfungsangst nicht klar kommt, für den gibt es verschiedene Möglichkeiten, Hilfe zu finden:

  • Psychosoziale Beratungsangebote der Hochschulen
  • Sorgentelefon
  • Psychologische Psychotherapie

Weitere Informationen:

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